22. Juni 2008

für einen Tag nach Italien: Piemont

Kategorie: Kurztrips | Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen — karlheinz @ 21:21

es gibt Leute, die halten mich manchmal  :-) für verrückt, ok, hier kriegt Ihr´s schriftlich, ich bin dieses Wochenende tatsächlich nur für einen Tag nach Italien gefahren!

Ich bin bekennend Deutsch, zumindest was die Italiensehnsucht angeht. Insofern wären Geheimrat Goethe und ich gute Freunde gewesen.

Nur: der arme Mann musste Tage und Wochen in der holprigen Postkutsche verbringen, um in den Süden zu kommen. Ich dagegen setzte mich spontan in den Zug und steige fröhlich mitten im Piemont in Norditalien aus!

Gut, Freund Goethe hatte Zeit für seinen Reisebericht “italienische Reise”, bin mal gespannt, ob meine Berichte auch mal in die Literaturgeschichte eingehen werden.

Schon der frühe Morgen ist ein Erlebnis, die italienische Sonne geht auf über dem Lago Maggiore! Das Land im dem die Zitronen blühen! (Schon wieder Goethe…) Schon der Name “Lago Maggiore” zergeht auf der Zunge, im Morgennebel zeigt sich die Isola Bella, zur Barockzeit galt sie als Wunder mit ihrem Palast, den Gärten und Terassen, mit verspielten Skupturen und exotischer Vegetation. Dann durchfährt der Zug “Stresa”, die Leute ahnen gar nicht, was sie da verschlafen. Stresa, mit dem berühmten Inselblick, ein Hauch von altmodischem Luxus. Im “Grand Hotel des Iles Borromees” schrieb Hemingway und feierten die Schönen und Reichen der Belle Epoche. Im Gegensatz zu uns hielt damals noch der OrientExpress in Stresa, heute erinnert daran nur noch die Bahnhofgaststätte “Orient Express”

Samstagmorgen 8Uhr, nach einem Frühstück mit dem Zugpersonal im Speisewagen, nachdem die Gäste ausgestiegen sind, geht es gestärkt ins Stadtzentrum von Alessandria. Nettes Städtchen, waaahnsinnig nette Menschen leben dort! Sind halt vom Massentourismus noch nicht verdorben. Nach 2 Gläsern guten Vinos

geht es dann mit Renzo nach Asti. 20 Minuten fahrt im Regionalzug Richtung Turin und wir sind in der Stadt, die jeder aus dem Supermarkt kennt wegen dem “Spumante”, Asti.

Nur, wer jetzt glaubt, Spumante gibt es an jeder Strassenecke, in jedem Geschäft, Bar ecc zu kaufen, irrt! Ich habe den Eindruck, in Asti weiss keiner, was das ist, das Zeugs wird nur für deutsche Supermärkte hergestellt….. Umso beser, so bleibt Zeit, am zentralen Platz der Stadt einen (?) sehr guten piemontesichen Weisswein zu geniessen.

So, jetzt ein wenig Bildung: der Reiseführer schreibt:

Asti war im Mittelalter die reichste Stadtrepubkik des Piemont, das sieht man auch heute noch! Paläste, Geschlechtertürme, gotische Kirchen, wie z,.B. die Kathedrale “S.M. Assunta e Gotthardo” Grosser Auftrieb vor dem Dom, da wurde geheiratet, dementsprechender Menschenauflauf, Dombesichtigung nicht möglich. Aber wie gesagt, es gibt noch andere Juwelen und so schaue ich kurz in die Kirche S.Paolo hinein, die eine wunderschöne Kuppel ihr eigen nennt.
Hochzeitsgesellschaft vom dem Dom zu Asti

Ähnlich wie in Siena findet auch in Asti ein “Palio” statt, eine Art Wetrennen zu Pferd, in dem es um den Sieg und damit um die Ehre eines Stadtviertels geht. Und: es findet jährlich eine Weinmesse statt. Renzo, wir müssen da nochmal hin!!!!

Allein mache ich mich dann nochmals zu einem kleinen Gang durch Alessandria auf, dort findet gerade ein Reitturnier auf dem zentralen Platz der Stadt statt. Allerdings ist es früher Nachmittag und einem Sprichwort zufolge sind um diese zeit nur Ochsen und Touris auf der Straße, sehe ich ja an mir….dementsprechend wenig ist los.

Begebe mich zum Bahnhof, löse ein Ticket nach Novara. Für Eingeweihte wiederhole ich das: ich kaufe mir eine Fahrkarte…
stolzer Besitzer eines gültigen Fahrausweises

Warum Novara? Da habe ich beim morgentlichen Vorbeifahren eine riesige Kirche gesehen, die meine Neugierde weckt.
Novara: San Gaudenzio vom Bahnhof Novara aus gesehen

Italien ist das Land des billigen Bahnfahrens: 65 km für 4,40 Euro, Standarttarif. Wie weit komme ich in Deutschlands Zügen für 4,40 Euro?

Gemächlich zuckelt das Züglein durch die Landschaft, alles grün, aber kein Getreide im herkömmlichen Sinne sondern alles Reisfelder! Als Chinese würde ich mich glatt heimisch fühlen….. Das Bild, das die Ebene jetzt bietet ist einmalig: unendlich sich widerholende wasserkarees in den das zarte Grün der Reispflanzen zu schwimmen scheint, kleine Bewässerungskanäle, mittendrin stolziert der Fischreier, will auch ernten.
ein typisches Dorf am Rande der Bahnstrecke nach Novara

Kleine schmucke Dörflein ziehen vorbei, Italia pur.

Und schon bei der Anfahrt auf Novara sehe ich wieder den Riesenkirchturm, der aber eine Kuppel sein soll. Mal sehen….

Novara, ebenfalls vom Tourismus verschont, was ein bisschen schade ist, denn eigentlich ist es ein hübsches Städtchen. Städtchen? Mit 100.000 Einwohnern immerhin die zweitgrösste Stadt des Piemont.

Und nur 5 Minuten vom Bahnhof entfernt erhebt sich die Kirche San Gaudenzio, benannt nach dem Stadtpatron Novaras. 1840 erhielt diese Kirche die monumentale Kuppel, immerhin 121 Meter hoch! Deutlich höher als der Campanile. Als Krönung thront eine vergoldete Christusstatue die Spitze.
karlheinz vor der Kuppel San Gaudenzo in Novara

44 Jahre hat man an der Kuppel gebaut, es hat sich gelohnt! Auch im Inneren ein sehr sehenswertes Gotteshaus und ich staune wirklich, das sich kein Touri dafür interessiert. Eine besinnliche Ruhe in der grossen Kirche, ich setze mich hin, höre den Frauen zu, die dort lautstark den Rosenkranz beten. Endlich mal eine Kirche, die nicht zum Museum verkommt, sondern wirklich noch gebraucht wie geplant wird.

Danach ein wenig flanieren, gemütlich hinsetzen und ein Eis naschen und wieder zum Bahnhof. Weiterfahren nach Arona am Lago Maggiore.

Regionalzug 30 Minuten und eine andere Welt, eine Art Uferpromenade am Lago Maggiore gleich gegenüber des Bahnhofes.
Uferpromenade in Arona am Lago Maggiore

Gegen 21:00 kommt dann der Zug Richtung Deutschland und voller neuer Eindrücke, müde und durstig steige ich ein. Arrivederci Italia….

15. Juni 2008

Narbonne und die Trinkgeldfrage

Bin mal wieder bahnmässig unterwegs, wieder mal ins schöne Narbonne, wo ich ja schon einmal war.

alle Gäste in 2 vollen Liegewagen gut betreut, ein gutes Gefühl, wenn die Leute aussteigen mit Kommentaren wie “Danke für den netten Service”, So einen netten Schaffner wie Sie hatten wir noch nie” und ähnlich netten Verabschiedungen. das baut schon auf. mental…aber materiell?

Ich philosophiere jetzt ein bisschen, da bezahlen die Leute Hunderte von Euro um mit dem Autoreisezug nach Frankreich, Österreich oder Italien zu fahren, erwarten natürlich mit vollem Recht einen guten Service. Den sie, ohne angeben zu wollen, bei mir und vielen anderen Kollegen auch bekommen. Muss ja wohl auch so sein, sonst kämen die netten Sprüche beim Aussteigen nicht, oder?!

Aber warum haben die dann nicht so ´nen lumpigen Fünfer für den Schaffner übrig, der sich 20 Stunden um sie gekümmert hat, immer freundlich war, Frühstück gemacht und serviert hat und vieles mehr tut? So als kleine Anerkennung? ist das Geiz? Einfach nicht nachgedacht? oder gar ne unverschämte Frage meinerseits? Ich weiss es nicht!

Es gab mal Zeiten, da war es selbstverständlich, guten Service zu honorieren! Die Zeiten ändern sich, leider….

Darüber liesse sich unendlich diskutieren, wir ärgern uns jetzt mal nicht, sitzen in der Pause am Hauptplatz und geniessen die Sonne in Narbonne, das Leben um uns herum.
das Leben geniessen in Narbonne

mit Sylke und Josef gemütlich sitzen, Leute beobachten, einen Vino trinken, blödeln, quatschen, so lässt sich die zeit vor der Rückfahrt gut überbrücken.

Wieder “volle Hütte” zurück, diesmal Service im Schlafwagen, ich falle  gegen Mitternacht in mein Bett….
ein gutes Gewissen ist ein gutes Ruhekissen

Der oben angedeutete Trend setzt sich übrigens auf der Rückfahrt fort, ich sage nur: 0,00 in der Tasche aber fröhliche und nett sich verabschiedende Gäste. “Wir haben uns wohlgefühlt, Danke für Ihren guten Service”

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